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Die Suche

 

Irgendwann beginnt bei manchen Menschen eine Suche – nennen wir sie die Suche nach dem Selbst, nach dem, was wir wirklich sind. Irgendein Ereignis im Leben bringt die Person auf die Idee, dass es etwas anderes als nur „Menschsein“ geben könnte. Aber das, für was der Mensch sich in diesem Moment hält - ein Person mit einem Ego – glaubt, es müsse oder könnte „Höheres“ erreichen. Oder zu Gott werden oder mit ihm eins werden, oder... oder... oder... Das Ich will etwas!

Und so beginnt für gewöhnlich eine lange Suche, die meist in immer mehr Rätseln mündet. Was immer der Mensch über die Jahre glaubte, das er finden könnte, wird nicht gefunden und wann immer er seine Meinung oder seine Vorstellung darüber ändert wird, er liegt falsch. Was immer er dann sucht, es wird wieder in einem „ich kann es nicht finden“ enden.

Man sollte den Beginn der Suche einmal genauer unter die Lupe nehmen. Denn das jeweilige Ereignis (zum Beispiel die Entdeckung von außersinnlichen Kräften, die vielleicht mal kurz aufflackerten oder das Geschehen eines kleinen Wunders) ist in Wahrheit nur eine sichtbare Folge eines unscheinbaren Impulses aus dem Unbekannten, das die Suche in Gang gesetzt hat. Unser Verstand aber, der nur dual denken kann (wenn es gut gibt, muss es auch böse geben), kann mit einem ursachlosen, intuitiven Impuls, der eben nicht dualistisch ist, nichts anfangen und so interpretiert er augenblicklich eine Ursache hinein.

Unser Selbst aber, das, was wir suchen, ist unser innerster Wesenskern. Und dieser ist immer da. Hier und jetzt! Er ist uns so eigen, dass wir zu keiner Sekunde im Leben überhaupt darüber nachdenken müssten. Und was immer da ist, kann nicht gesucht werden. Wo wollte man es denn finden? Es gilt also, sich dessen, was ja schon ist, gewahr zu werden und nicht, es zu suchen! Deshalb werden alle am Ende die Suche aufgeben müssen und genau in diesem Moment erblickt man – sich selbst!

Es ist der denkende Verstand, der aufgrund einer falschen Annahme in die falsche Richtung läuft und nicht wahrhaben kann, dass er derjenige ist, der sich irrt und dass erst dann, wenn er schweigt – wenn also die Stille des Denkens eintritt – unsere wahre Natur erblickt werden kann. So lange ich aber suche, ist immer ein Denken mit im Spiel. Und dieses Denken vernebelt genau den Blick auf „das Ziel“ – auf mich selbst!

Das Selbst – unsere wahre Natur – ist nichts, was man „denken“ könnte, es ist nicht erklärbar, es ist nicht „vorstell-“bar, und so dreht man sich so lange im Kreis, bis man alles Interpretieren und Nachdenken aufgegeben hat! Es ist das Sein an sich – das Sein ohne ein „ich bin dies oder jenes“.

Das Selbst ist die Basis unserer Existenz. Ohne es gäbe es weder die Welt noch ein Leben. Es ist die Leinwand, auf der sich alles Leben abspielt. Aber so lange wir im Film auf der Leinwand interessiert sind, kommen wir gar nicht auf die Idee, die Leinwand sehen zu wollen! Noch beim Abspann stehen wir auf und verlassen das Kino. Denn: Wer will schon eine nackte Leinwand sehen?

Statt zu suchen, sollte man sich erst einmal bewusst werden, dass das, was wir suchen, immer da ist - Tag und Nacht. Es verschwindet nicht, es geht nicht unter … da ist es … immer.

 

"Fühle, dass du der Schöpfer der Welt bist
und sie auch zerstören kannst!"
[Sri Ranjit Maharaj]

 

 

 

07. Januar 2010

ICH BIN

Das ICH BIN ist der Schlüssel - wenn auch nicht die endgültige Stufe - zur Selbst-Verwirklichung. Es ist die Brücke zu Para-Brahman, dem höchsten, dem gesuchten "Zustand". Mit diesem ICH BIN wird eine "Ebene" benannt, die sich bereits jenseits aller Vorstellungen befindet - der Turya Zustand. Diese ICH BIN - Ebene ist jenseits der physikalischen Ebene, jenseits des Denkens und jenseits der kausalen Ebene. Wir können sie nicht mit Logik oder Denken erreichen, wohl aber können wir uns auf das ICH BIN in gedachter Form konzentrieren.

Wenn aus dem unendlichen Nichts das Bewusstsein erscheint (in Form von Wahrnehmung wie tagsüber oder im Traum) beginnt es mit dem ICH BIN. Es ist gewissermaßen das reine Bewusstsein - ohne jeglichen Inhalt (Die Welt, die Traumwelt, das Ich usw.). Dennoch ist es - wie Sri Nisargadatta Maharaj es ausdrückte - die erste Täuschung. Denn deine wahre Natur ist der ewig unveränderliche Zustand dahinter: Para-Brahman (jenseits von Brahman oder jenseits des Bewusstseins).

Wenn du jegliche Vorstellung über dich (ich bin eine Person, ich bin dies oder das ...) fallen lässt und nur noch wahrnimmst, dass DU BIST, so werden in solch konzentrierten Momenten früher oder später die Welt und alle Gedanken für dich verschwinden und es werden in dir vielleicht glückliche Zustände ungeahnten Ausmaßes emporsteigen. Es kann sich beispielsweise anfühlen, als ob die Welt in dir verschwindet. Du wirst irgendwie erkennen, dass du auch bist, wenn die Welt aus dem Bewusstsein verschwunden ist.

Solche Glücksmomente und Phänomene werden wieder gehen, sie sind nur zeitweise da. Selbst das ICH BIN muss danach verschwinden, so dass nur noch der unerklärliche Zustand jenseits davon übrig bleibt.

Shri Siddharameshwar Maharaj beschrieb es so:

 

"... The one who says „I“ is really the all-witnessing Brahman. It is He, who is of the nature of Knowledge, the sense of „I Am.“ When this certainty is established, there arises wave after wave of Bliss. Afterwards, when this Bliss ebbs away, look at the miracle that happens. ..." (aus Master Key to Self-Realization)

 

Grobe Übersetzung:

"... Der, der "Ich" sagt, ist in Wahrheit das alles bezeugende Brahman [Bewusstsein]. Es ist er, der aus [höchstem] Wissen besteht, das Empfinden des ICH BIN. Wenn dies mit Sicherheit etabliert ist, erheben sich Wellen über Wellen an Glückseligkeit. Danach, wenn diese Glückseligkeitswellen wieder abebben, schau auf das Wunder, das geschieht ..."

02. Februar 2010

"FRAGE:
Wenn ich die Welt projiziere, dann muss ich doch auch fähig sein, sie zu ändern?

MAHARAJ:
Selbstverständlich sind Sie das. Doch müssen Sie aufhören, sich mit ihr zu identifizieren und über sie hinausgehen. Dann haben Sie die Kraft, sie zu zerstören und wieder erstehen zu lassen."
[aus ICH BIN - Sri Nisargadatta Maharaj]

 

Wen meint Sri Nisargadatta Maharaj hier mit Ich ("...doch müssen Sie ....")? Er meint deine wahre Natur, dein wahres Sein - das, was du schon bist. Momentan glaubst du vielleicht, du wärest diese Person (dieses Geist/Körper-Ding), auf das man deuten kann. Doch nur weil du die Welt über den Körper (oder mit Hilfe dieses Körpers) wahrnimmst, heißt das nicht, dass du dieser Körper (oder dieses Ding da) auch bist.

Es ist wie im Traum! Auch dort erscheint es dir, als ob du eine Figur unter anderen bist - doch der ganze Traum wird (nur) von dir geträumt.

Was du bist, ist nicht beschreibbar und auch nicht auffindbar. Warum solltest du dich denn überhaupt suchen wollen? Du bist (es) doch schon!

Was du tatsächlich suchst, ist die Befreiung von der Idee, (nur) diese Person zu sein. Es ist tatsächlich nur eine Idee - wenn auch eine sehr tief sitzende.

Was du bist, ist nicht IN dieser Welt, noch VON dieser Welt. Du bist noch nicht einmal Bewusstsein, denn selbst dieses erscheint dir nur.

Du bist jenseits von all dem. Das ist deine wahre Natur.

Erkenne es, indem du aufhörst, dich weiter als Person verstehen zu wollen. Konzentriere dich ausdauernd und bedingungslos auf das "Ich bin" - auf das Gefühl des reinen Seins.

 

"Wenn man ein Stück Glut schnell genug im Kreis bewegt, sieht es aus wie ein glühender Kreis. Wenn die Bewegung aufhört, bleibt die Glut übrig. In ähnlicher Weise erschafft das ‘Ich bin‘ in Bewegung die Welt. Das ‘Ich bin‘ in Ruhe wird zum Absoluten."
[aus ICH BIN - Sri Nisargadatta Maharaj]

19. Februar 2010

"... Es liegt in der Natur des Verstandes, umherzuschweifen. Sie können lediglich den Fokus Ihres Bewusstseins auf etwas jenseits des Verstandes verlagern."

"Weisen sie alle Gedanken zurück, außer dem einen: Den Gedanken „Ich bin“. Anfangs wird sich der Verstand wehren, doch am Ende wird er der Geduld und Ausdauer nachgeben und ruhig bleiben. Sind Sie einmal ruhig, beginnen Dinge spontan und recht natürlich zu geschehen, ohne dass Sie eingreifen müssen."
[aus ICH BIN - Sri Nisargadatta Maharaj]

 

In Bezug auf die Selbst-Verwirklichung kann auf die Wichtigkeit, sich auf das ICH BIN zu konzentrieren, nicht oft genug hingewiesen werden.
Es ist der Verstand (das Denken), der "lernen" muss, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Anstatt sich aber auf weltliche Dinge (oder Wünsche etc.) zu konzentrieren, sollte er sich auf das konzentrieren, was vor allen Erscheinungen schon da war: Das ICH BIN.
Zwar wird der Begriff ICH BIN "hier" gedacht, dennoch verweist er auf das reine Sein, dass nicht mehr mit dem Denken erfasst werden kann. Die Konzentration auf das ICH BIN ist die Konzentration auf das "Gefühl" zu sein - ohne weitere Gedanken.

13. April 2010

"Sie sind nicht in einem Körper, der Körper ist in Ihnen. Der Verstand ist in Ihnen. Sie geschehen Ihnen. Sie sind vorhanden, weil Sie sie interessant finden."

"Ihre wahre Natur hat die unbegrenzte Fähigkeit, sich zu erfreuen. Sie ist voller Begeisterung und Zuneigung. ..."
[aus ICH BIN - Sri Nisargadatta Maharaj]

 

Solange man nicht bereit ist, sich (innerlich und vollständig) von der Welt zu lösen, erscheint die Suche nach dem SELBST schwierig und langwierig.
Die Welt, der Körper und der Verstand sind eine Projektion - traumähnlich. Doch das, was du bist, ist jenseits dieser Projektion.
Sei und bleib vollkommen still, und sieh, wie das "Ich" (der Ich-Gedanke, der Verstand) aus dem Nichts aufsteigt und den Körper und die Welt mit entstehen lässt. Dann wirst du erkennen, dass du in Wahrheit frei und unabhängig von dieser Projektion bist. Dann endet auch jegliches Leid.

03. Mai 2010

"... Lassen Sie Ihren Verstand in Ruhe, das ist alles. Hören Sie auf, ihm zuzustimmen, schließlich gibt es so etwas wie einen Verstand nicht, nur Gedanken, die kommen und gehen, ihren eigenen Gesetzen folgend, nicht den Ihren. Sie beherrschen Sie nur, weil Sie an ihnen interessiert sind. ..."

"... Doch läuft dies nicht auf eine Art Autosuggestion hinaus?"

"In diesem Augenblick ist die Autosuggestion in vollem Gange, wenn Sie glauben, eine Person zu sein, die zwischen Gutem und Bösem gefangen ist. Ich rate Ihnen, sie zu beenden, aufzuwachen und die Dinge zu sehen, wie sie sind."

 

Und wie sind die Dinge?

 

" ... Jeder will aktiv sein, doch woher kommen diese Handlungen? Es gibt keinen zentralen Punkt, jede Handlung erzeugt eine andere, sinnlos und schmerzhaft in endloser Wiederholung."

"... Finden Sie erst dieses unwandelbare Zentrum, von dem alle Bewegung ausgeht. So wie das Rad sich um eine Achse dreht, so müssen Sie immer im Zentrum der Achse sein und nicht an der Peripherie des Rades."
[aus ICH BIN - Sri Nisargadatta Maharaj]

 

Wenn ich an den Gedanken nicht mehr interessiert bin, nicht mehr daran festhalte, eine Person zu sein (und damit natürlich niemanden mehr als Person - als eigenständig handelndes Wesen - ansehe) und dadurch einfach innerlich "still" bleibe, bzw. still bin (schließlich bewegen die Gedanken dann nicht mehr mich, wenngleich sie dennoch weiterhin den Körper und die Welt bewegen), muss ich mich ja schon fast zwangsläufig als dieses unbewegliche Zentrum erkennen/begreifen!
Dieses Zentrum - das ich bin - ist auf ewig still, frei und unantastbar!
Es ist gar nicht so schwer wie es möglicherweise scheint!

28. Mai 2010

Immer häufiger höre ich in letzter Zeit solche Sätze wie: "Wer soll das sein?", "Da ist niemand ...", "Niemand kann etwas falsch machen, weil es ja niemanden gibt" usw. Ich höre nicht nur solche Sätze, sie werden mir gegenüber sogar von manchen wie eine "Zurechtweisung" ausgesprochen ...
Doch seltsam - von all den alten Weisen aller Epochen wurden solche Behauptungen nie aufgestellt! Allesamt sprachen davon - jeder in "seiner" Sprache - , dass wir nicht das sind, was wir glauben zu sein und dass man sein "wahres Selbst" finden soll.
Wie konnten sie jemals und wie können sie weiterhin eine solche "Empfehlung" aussprechen? Wenn es doch niemanden gibt, kann auch keiner sein "Selbst" suchen und finden wollen. Wer sollte es dann überhaupt sein, der da suchen sollte?
Ich müsste mich - würde ich das ernst nehmen - dann fragen, wer es denn ist, der nun meint, entdeckt zu haben, dass es niemanden gibt und mir das aufs Auge drücken will? Oder waren all diese "Alten" gar einfach nur ein wenig baka-baka und total unwissend - im Gegensatz zu unseren modernen Schnellwissern?
Was tatsächlich dahinter steht, sieht ein wenig anders aus:
Wenn wir die (nicht nur) alten Beschreibungen und Anweisungen betrachten, sehen wir, dass der Aspirant durch mehrere Stufen "geführt" werden muss, bei denen er in einer Zwischenstufe entdeckt, dass er nicht der Körper und auch nicht der Geist (Verstand, Intellekt usw.) ist.
An diesem Punkt - wenn dieser voll und ganz durchschaut wurde - entsteht eine Art "totales Vergessen"; es verschwindet das eigenene ICH, d. h., die Idee der Person verschwindet. Und früher oder später wird erkannt, dass es noch nie eine Person gegeben hat (auch die anderen sind keine Personen).
An diesem Punkt - an dem man sich selbst nicht mehr finden kann und bei dem es häufig zu (vergänglichen) Glückseligkeits- (Bliss-) Zuständen kommt - tritt die Illusion auf, da wäre niemand und das wäre nun schon die angestrebte Selbst-Verwirklichung.
Das Problem dabei: Dieser Zustand ist weder die Selbst-Verwirklichung, noch ist er stabil. Ein Rückfall - oft mit Depressionen verbunden - ist wahrscheinlich. Viele der wirklich "Großen" warnen hiervor ausdrücklich ...

Momentan scheinen eine Reihe von - teils bekannter - Autoren am Markt zu sein, die diesen Zwischenzustand selbst für das große Non-Plus-Ultra halten und genügend Lesern und Anhängern dieses kleine X für ein großes U verkaufen (Die Argumentation dabei ist, dass alles in dem einen Bewusstsein "von selber" oder automatisch geschieht - deshalb die Idee, da wäre niemand. Doch das heißt noch lange nicht, dass es "niemanden" gibt. Die Frage hier lautet nämlich: "Wer oder was nimmt denn dann dieses Bewusstsein und seine Handlungen wahr?")
Fast nur mit Hilfe eines "echten" Meisters ist es möglich, über den o. g. Zwischenzustand hinaus zu kommen und den wahren Turya-Zustand (der reine ICH BIN-Zustand) und die letzte Stufe (Para-Brahman, der Zustand jenseits des Bewusstseins) zu "erreichen". Überschreitet man den o. g. Zustand, so entdeckt man, dass das vermeintlich nicht mehr vorhandene Ich (und damit "da wäre niemand") in - sagen wir mal: "universeller Form" (Brahman, "Tat Twam Asi"= "Ich bin das") zurückkommt. Und erst ab da beginnt man überhaupt zu verstehen, was es mit der Selbst-Verwirklichung wirklich auf sich hat.
Und siehe da: Irgendwie ist da ja doch "jemand" ... :-)

 

"Solange Sie noch auf der Suche sind, halten Sie sich besser an die Idee, dass Sie reines Bewusstsein sind, frei von allem Inhalt. Über das Bewusstsein hinaus zu gehen, bringt Sie zum höchsten Zustand."
[Sri Nisargadatta Maharaj - „Ich Bin“ – Kapitel 10]

28. Juni 2010

Nichts oder Nicht-Nichts?

 

MAHARAJ: "Ich kenne mich selbst, wie ich in Wirklichkeit bin. Ich bin weder der Körper noch der Verstand noch die mentalen Fähigkeiten. Ich bin jenseits von all diesen."

FRAGE: "Sind Sie einfach nichts?"

MAHARAJ: "Jetzt seien Sie mal vernünftig. Selbstverständlich bin ich, sogar sehr greifbar. Ich bin nur nicht das, wofür Sie mich halten. Das sagt Ihnen alles."

FRAGE: "Es sagt mir gar nichts."

MAHARAJ: "Weil es nicht ausgesprochen werden kann. Sie müssen Ihre eigene Erfahrung machen. Sie sind gewohnt, mit physischen und mentalen Dingen umzugehen, ich bin kein Ding, und auch Sie sind keins. Wir sind weder Materie noch Energie, weder Körper noch Verstand. Wenn Sie eine Ahnung von diesem wirklichen Sein bekommen haben, wird es Ihnen nicht schwer fallen, mich zu verstehen."
[Sri Nisargadatta Maharaj - „Ich Bin“ – Kapitel 25]

 

Wenn die größte Illusion - "Ich bin der Körper" und "Ich bin es, der denkt und handelt" voll und ganz durchschaut worden ist, was bleibt dann von "mir" übrig? Scheinbar erst einmal: nichts!
Hier ist man nun an dem Punkt angelangt, an dem in tiefer Stille eine Art Selbstbeobachtung stattfinden muss - keineswegs in Form "psychologischer Spielchen und Analysen etc." -, sondern in dem man in dem verbliebenen Zustand des "Ich bin" ("reines [Bewusst-]Sein", das hier ja unmöglich verschwunden sein kann) verweilt. Früher oder später entdeckt man dabei (oder immer mehr), dass Körper und Verstand völlig autonom denken und handeln. Denken und dessen Folge, das Handeln, geschehen und geschahen schon immer ohne "mein" Zutun.
Statt sich mit dem Körper/Verstand weiter zu identifizieren tritt die Beobachterrolle immer mehr in den Vordergrund, bis klar wird, dass Beobachtung/Wahrnehmung immer stattfindet.
Was dann von "mir" übrig bleibt, ist mit Worten nicht mehr beschreibbar.

24. Juli 2010

"Wenn Sie vom „Ich-bin-der-Körper“-Virus infiziert worden sind, dann entsteht ein komplettes Universum.
Doch wenn Sie davon genug haben, dann entwickeln Sie phantastische Vorstellungen von Befreiung und stürzen sich in völlig sinnlose Handlungen. Sie konzentrieren sich, Sie meditieren, sie quälen Körper und Geist, Sie tun alle möglichen Dinge, die nicht notwendig sind, und dabei verpassen Sie das Wesentliche, die Eliminierung der Person.
... Die Person hat einen recht geringen Wert. Sie ist zutiefst in ihre eigenen Angelegenheiten verstrickt und hat keine Ahnung von ihrem wahren Sein. Bevor nicht das Beobachter-Bewusstsein im Hinblick auf die Person ins Spiel kommt und sie nicht zum Objekt der Beobachtung wird, anstatt das Subjekt zu sein, ist die Verwirklichung nicht möglich.
... Die Person selber wird nicht aus sich heraus einfach zum Beobachter. Das ist, als ob man von einer erloschenen Kerze erwartet, dass sie mit der Zeit anfängt zu brennen. Die Person kann auf immer und ewig in der Dunkelheit der Unwissenheit verharren, es sei denn, sie kommt mit der Flamme des Gewahrseins in Berührung.
... Die Person mag zwar bewusst sein, doch sie ist sich nicht gewahr, bewusst zu sein. Sie ist völlig damit identifiziert, was sie denkt, fühlt und erfährt. Die Dunkelheit, die dies beinhaltet, ist allein ihr eigenes Werk. Wird die Dunkelheit in Frage gestellt, dann löst sie sich auf."
[Sri Nisargadatta Maharaj - „Ich Bin“ – Kapitel 77/78]

 

Es ist zu Beginn die Weigerung, sich (und die anderen) weiterhin als Person sehen oder verstehen zu wollen, die ein "neues" Verstehen ermöglicht, nämlich: dass man nicht dieser Körper sein kann und dass Denken und Handeln nicht aufgrund "meines" Willens geschehen (und damit nichts mit mir zu tun haben) - sie geschehen völlig automatisch aufgrund der akuten Umstände und Erinnerungen.
Früher oder später wird es dann ein Erkennen ("direktes Sehen") geben, bei dem von "mir" nichts mehr übrig bleibt. Die Frage "Wer bin ich (dann)?" erscheint hier zum ersten Mal wirklich einen Sinn zu ergeben.
Hier nun ist die Konzentration aus das ICH BIN (Verweilen im reinen Sein) - nicht auf die Worte oder Vorstellung davon - nötig, bis dieses "im reinen Sein sein" (ICH BIN) seine Wirkung "entfaltet". Hier nun verschwindet das gesamte Universum (das gesamte Bewusstsein) in diesem ICH BIN (irgendwie!).
Was dann bleibt und was folgt, lässt dich nicht mehr wirklich in Worten erklären.

14. August 2010

"Vergiss das Ego und du wirst nie mehr Traurigkeit empfinden."
“Das Ego wird dich niemals verlassen. Du musst es verlassen.”
[Sri Ranjit Maharaj]

04. September 2010

"Sag' zum Ego: 'Diene mir, denn ich bin nicht dein Diener!"
[Sri Ranjit Maharaj]

 

Es gibt eine Analogie in der Katha Upanishad über ein Pferd, einem Kampfwagen [Kutsche], einem Passagier und einem Lenker [Kutscher].
Der Lenker - das ist der Verstand, das Ego - lenkt das Pferd, welches die Sinne* des Körpers repräsentieren.
Tatsächlich aber hat der Passagier - welcher das "Ich" [Selbst] repräsentiert - die wirkliche Kontrolle.
Wenn jemand verwirklicht ist, dann sitzt das "Ich" [Selbst] entspannt in der Kutsche und genießt die Fahrt ohne Sorgen.
Bei jenen, die nie versucht haben, ihre wahre Natur zu verstehen, schläft der Passagier, der Lenker ist betrunken und das Pferd zieht die Kutsche wild über Stock und Stein.
Der Ego-Verstand muss 'ausgenüchtert' werden, damit er ein guter Diener wird, und anfängt, der leisen Stimme des "Ichs" [Selbst] zuzuhören, bevor eine Person auch nur anfangen kann, die Lehren zu verstehen.

* engl.: sense[s] - Im Veda wird das Wort sowohl für Sehen, Hören usw., als auch als die Fähigkeit, Handlungen zu vollziehen, verwendet.

25. September 2010

Wisse, wer du bist

"Man sollte zuerst wissen "Wer bin ich?". Das ist einfach.
Wenn es einen völligen Verzicht im Innen [total inward renunciation] gibt, dann ist das "Ich" Brahman [Bewusstsein], und dann existiert nur dieses Brahman.
Wie auch immer, zuerst sollte ein Verzicht auf Objekte erfolgen. Solange wir das Selbst nicht kennen, leben wir nur als Individuen (jivas).
Wir sollten am Morgen sehr leicht 'hochkommmen'. Was ist damit gemeint? Wenn du aufwachst, sagst du zu dir selbst, dass du Brahman bist - dann wirst du zu Brahman. Wir sollten als ein König aufwachen und wie ein König leben. Wenn du aufwachst, und glaubst ein Bettler zu sein - oder dich so fühlst, dann wirst du als Bettler weitermachen.
Man verhält sich entsprechend seiner Einstellung und den Gefühlen, die man übernommen/angenommen hat.
Wir sind das "Wissen" [knowingness] selbst und deshalb werden wir ohne Verzögerung zum König oder Bettler. Wir selbst entscheiden, was wir werden wollen."
[Sri Siddharameshwar Maharaj - aus 'Master of Self-Realization']

 

Wenn wir die Stufen der Suche überwunden haben und das Selbst kennen, wird klar, dass das "Ich" nicht einfach verschwunden ist, sondern von dem Zustand "Hier ist niemand, Ich bin keine Person, es gibt keine Personen usw." in "Ich bin Brahman [dieses Bewusstsein]" gewandelt hat. Wir sind dieses Brahman [Bewusstsein] und wir sind zugleich Para-Brahman, der unerklärliche ewige "Zustand" jenseits des Bewusstseins ("Neti, neti" - nicht dies, nicht dies).

18. Oktober 2010

Das Selbst ist sorgenfrei

"Du bist das Selbst (Atman), and das ist die "Essenz des Glücks". Glücklichsein ist die Natur unseres inneren Wesens. Wenn der Verstand zufrieden ist, dann wird Zufriedenheit in den äußeren Umständen präsent sein.
Doch wenn wir glauben, dass wir unser Glück von Sinnesobjekten erhalten können, dann unterliegen wird einer Täuschung. Das ist der Fehler, den alle machen.
Wie könntest du Leid erfahren, wenn du davon überzeugt bist, dass du nicht der Körper, sondern das Selbst bist? Was würde passieren? Egal, was du sagst oder tust, es wird doch nur das passieren, was bestimmt ist zu passieren. Warum sich also Sorgen machen?
Ein Mann sorgte sich, dass sein Haus zusammenbrechen könnte. Ein Weiser sagte ihm: "Was würdest du verlieren, wenn dein Haus zusammenbricht? Vertrau mir und sorge dich nicht." Er folgte der Aussage des Weisen und innerhalb von ein paar Tagen erhielt er hunderttausende rupees. Da riss er selber das alte Haus nieder und baute ein Neues. Das Haus war schon halb verfallen und musste zusammenbrechen, und so kam etwas Besseres nach. Er baute ein neues Haus. Das was bestimmt ist zu passieren, wird mit Sicherheit passieren. Sorg dich um gar nichts!

... Sei der vollen Überzeugung, dass du das Selbst bist. Der, der sich ängstigt, wird niemals glücklich. Kinder sind glücklich. Warum? Weil sie sich nicht sorgen. Der, der sich - obwohl er das "Wissen Brahmans" hat - sorgt, wird das innere Glück nicht erfahren. Wer sich sorgt, wird niemals glücklich. Wer das "Glück Brahmans" anstrebt, muss Angst und Sorge hinter sich lassen. Wer Angst aufgegeben hat, ist höchst glücklich. Es gibt nur einen Weg. Man muss den Willen zum Verzicht haben. Es sollte kein Verlangen da sein, selbst wenn man ein Königreich angeboten bekommt, und es sollte keine Aufmerksamkeit [auf irgendetwas] da sein, selbst wenn die Welt untergeht. Wenn Angst sich steigert, gibt es nur Chaos. Wenn jemand selbst die Welt als falsch [als Illusion] ansieht, wie könnte Angst ihn betreffen? Glaube nicht, das du etwas brauchts, was falsch [Illusion] ist.

... Es gibt nur Brahman [Bewusstsein] in dieser Welt. Die Weisen sagen dir, das du nicht sterblich, sondern Brahman bist. Wenn du in diesem Vertrauen verweilst, wirst du angstfrei sein. Habe Vertrauen darin und glaube es.

... Verwirf die Vorstellung, dass du ein Individuum bist. Wenn du tatsächlich wie ein Weiser lebst, wirst du den Zustand Brahman erreichen. Wenn du wie das Selbst lebst, wirst du eins mit dem allmächtigen Gott [Bewusstsein], Narayana."
[Sri Siddharameshwar Maharaj - Auszug aus 'Master of Self-Realization']

07. November 2010

"Der Status eines Individuums, der Seele [Jiva], ist Illusion. Es ist Unwissenheit, die ursprüngliche Sünde. Mit Illusion ist gemeint, dass es nicht wahr ist. Der Status des Jiva ist "nicht wahr". Das Wort Jiva setzt sich aus "Ja" und "Iva" zusammen, und bedeutet "als ob es geboren wurde, aber tatsächlich nicht geboren ist". Es ist Illlusion.
Wenn das Individuum nicht wirklich ist, was ist dann wirklich? Die Wahrheit ist: "Ich bin das, was nicht geboren wurde". Es ist nicht wahr, dass "ich geboren wurde" und dass ich mit einem Namen benannt werde, wie Tom, Dick oder Harry.

Es gibt die Geschichte eines Löwen, der unter der Illusion litt, er wäre ein Mensch. Er ging zu einem Schäfer und wurde dessen Gehilfe. Für einige Zeit fütterte ihn der Schäfer mit Milch, und später gab er ihm Dung. Natürlich hungerte der Löwe bald. Dann traf er auf seinen Guru. Der Guru des Löwen sagte zu ihm: "Du bist ein Löwe, der jedes Tier, das er auswählt, tötet und frisst. Warum frisst du Dung?" Als dem Löwen seine Fähigkeiten klar wurden, ging er in den Wald, begann zu jagen und sich selbst angemessen zu ernähren.
Gleichermaßen ist das Individuum Paramatman [das höchste Selbst], aber es hat sich selbst als Jiva definiert und wurde unglücklich.
Hör auf, ein menschliches Wesen sein zu wollen und hör mit der Gewohnheit auf, Dung zu fressen - die Sinnesobjekte also [in dich aufzunehmen, als wahr anzunehmen]. Dung zu fressen, bedeutet, die Ergebnisse von Handlungen (karma) auf sich zu nehmen. Das Ergebnis dessen, was immer ein Individuum tut, ist der Dung, das das Schaf [sic] - das ist die Illusion - ausgehändigt hat.
Wenn du sicher bist, dass du Shiva [die Lebensenergie, die dem Bewusstsein innewohnt] bist, können die Ergebnisse von karma - das ist wie der Dung - vermieden werden. Für Shiva ist kein karma bindend. Das Selbst ist Brahman [Bewusstsein]. Der imaginäre Körper agiert weiter mit [und entsprechend] all den Sinnesorganen."
[Sri Siddharameshwar Maharaj - Auszug aus 'Master of Self-Realization']

28. November 2010

"All diese Bezeichnungen, Einssein [Oneself], Brahman [Bewusstsein], "Selbst-Erfahrung" [Self-Experience"], bezeichnen alle die eine Sache, dass all das ein Traum des Selbst ist (swapna). Die "Selbst-Erfahrung" (Atma-Anubhava) ist Selbst-Realisation.

Man sagt, dass die Welt das Schauspielhaus für erwachsene Leute ist. Damit ist gemeint, dass die "erwachsenen Leute" Menschen mit "Wissen" sind. Sie haben das Selbst-Wissen [Self-Knowledge] und sie sind großartig. Für sie ist die ganze Welt ein Spielzeug, ein Ding, mit dem man spielt. Sie kennen in diesem Spiel kein Leid und keinen Stolz, keinen Verlust oder Gewinn, keinen Kummer, keinen Tod, etc.
Für jene, die die Welt als "Selbst-Erfahrung" sehen, ist sie ein natürliches Spiel der Freude. Unwissende Menschen nehmen die Welt als echt an. Für sie sind Leid, Kummer, Sorge und Angst das Schicksal ihres Leben. Die Weisen wissen jedoch, dass die Welt unwirklich ist, und leben glücklich in ihrem eigenen "Haus der Zufriedenheit".
[Sri Siddharameshwar Maharaj - Auszug aus 'Master of Self-Realization']

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